TERA-GRAMM 04/2016

Good-Newsletter als PDFpdf


Pinocchio und das Nasengold

Wenn ich Fehler hätte, würde ich sie zugeben

Ich habe schon einmal in der Nase gebohrt. Ja, ich gebe es zu. Ich fühlte mich damals einen Augenblick unbeobachtet und da habe ich es getan. „Manchmal muss ein Mann eben alles aus sich herausholen“, habe ich gedacht. Meine Frau fand das aber alles andere als witzig. Sie ließ sich kaum beruhigen. Auch nicht durch meinen qualifizierten Hinweis, dass Wissenschaftler herausgefunden hätten, dass neun von zehn Menschen beim Nasebohren ein leichtes Glücksgefühl empfinden würden. Vielleicht war das der Grund, warum aus dem einmaligen Ereignis dann im Laufe der Jahre doch mehrere bei mir wurden. Aber auch Psychotherapeuten sagen nicht immer die Wahrheit. Nein, im Gegenteil, manchmal setzen sie die sog. „Expertenlüge“ auch als eine Technik in der Behandlung ihrer Patienten ein. Das ist dann aber keine Lüge im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr so etwas wie eine Zwischenform der Wahrheit. Der Therapeut erzählt etwas, von dem er glaubt, dass es in diesem Augenblick sehr hilfreich sein kann für den Patienten, tatsächlich hat der Therapeut das aber weder selbst erlebt, noch ist es je so geschehen. Weil der Patient das aber nicht weiß und es ihm hilft, ist es eine erlaubte Praktik. Und dann ist das Ziel doch erreicht. Ob der Inhalt dieses TERA-GRAMMS der Wahrheit entspricht oder nicht, müssen Sie selbst herausfinden.

Ein Kollege von mir hat sich bei einer gemeinsamen Zugfahrt von Berlin nach Dortmund einmal als Arzt ausgegeben. Einfach so. Wir waren mit zwei Frauen ins Gespräch gekommen und die fragten uns nach unseren Berufen. Während ich die Wahrheit sagte, sagte mein Kollege das Erste, was ihm durch den Kopf schoss. „Arzt. Chirurg.“ „Ja sicher“, dachte ich. Und dann dachte ich, was wohl passiert, wenn jetzt jemand im Nachbarabteil einen Herzkasper bekommt. Passierte aber nicht. Gott sei Dank! Keine Ahnung, warum er dieses Doktorspiel durchgezogen hat. Er fand seinen tatsächlichen Beruf sogar interessanter als den ausgedachten. Auch strebte er keine Karriere bei der Essener SPD an, wo erfundene Biografien offenbar eine gewisse Tradition haben. Ob es eine „Expertenlüge“ sein sollte, konnte ich schlichtweg nicht erkennen. Ich dachte nur: „Der hat ‘ne Macke.“ Später fing ich an zu überlegen, welches denn meine Macken sind. Meine Frau könnte hier einiges zu sagen. Ich habe mittlerweile nur festgestellt, dass ich eine neue Angewohnheit habe: Ich stöhne beim Aufstehen. Ich komme vom sitzenden zum stehenden Zustand und klinge wie Monica Seles beim Topspin. Ich weiß nicht, warum ich das mache, mir tut nichts weh, mir fällt es nicht schwer aufzustehen, ich habe keine künstlichen Hüften, ich stöhne einfach. Es ist irgendwie befreiend. Wie Popeln. Manchmal rede ich dabei auch mit mir. Nicht omaartig im Sinne von „Wo hab ich denn die Milch? Ah … da ist sie ja“, sondern aus dem Nichts heraus sage ich: „Ich glaube, dass Obama Syrien falsch einschätzt“. Laut. Dann ist wieder Ruhe. Keine Ahnung, wo das herkommt. Ich bin ansonsten ganz normal. Ich kann mir dieses Verhalten nicht erklären, aber ich wette, jeder von uns hat dunkle Flecken auf seiner Persönlichkeit. Manche haben auch dunkle Flecken auf ihrer Seele. Da kann TERAPON helfen, denn wir haben für solche Fälle, spezielle Seelenfleckenreiniger. Und wir haben KÖTTER Cleaning. Wenn die eigene Frau einen beim Nasebohren erwischt, kann das blöd sein. Das kann eine Beziehung kurzfristig belasten. Meine Frau kam neulich in mein Büro, wo ich gerade offenbar dem Locher gegen­über laut den amerikanischen Präsidentschaftskandidatenclown Donald Trump beurteilt hatte, um mich anschließend stöhnend zu erheben. Meine Frau ist seit 19 Jahren immer noch bei mir. Ich glaube, das ist Liebe; diese Hoffnung, dass der andere bei uns bleibt, selbst wenn er uns so kennen lernt, wie wir wirklich sind. In Zeiten gelogener Facebook-Profile und perfekter Selfies muss man daran erinnern, dass der Mensch in Wirklichkeit manchmal popelt und trotzdem geliebt werden will.

Die gute Nachricht im heutigen TERA-GRAMM überrascht Sie vielleicht ein wenig, ist aber wissenschaftlich fundiert und wirklich wahr: Wer popelt bleibt gerade und glücklich! Kein Witz! Außerdem gibt es noch einen tollen Nebeneffekt: Wer in der Nase bohrt, der hält seinen Kopf oben und schaut dabei nicht auf sein Smartphone. Denn Wissenschaftler haben herausgefunden: Wer dauernd auf sein Handy schaut, wird vor allem buckelig und traurig.
Täglich schauen Menschen zwischen zwei bis vier Stunden auf ihr Handy, meist gebeugt, Hals und Kopf nach vorne in Richtung Handy gereckt. Aktuelle Studien zu digitalen Medien weisen aber auch positive Effekte nach, dass Handys nicht immer süchtig und oberflächlich machen, sondern viel deutet auf das Gegenteil hin: Wir werden intelligenter und hilfsbereiter. Und noch etwas: Baller- und Killerspiele führen nicht zu Amokläufen und Pornoseiten nicht zu sexueller Gewalt. Wenn das nicht gute Nachrichten sind! Aber die digitalen Medien und Smartphones haben einen kaum beeinflussbaren Nebeneffekt: Sie lenken uns ziemlich stark ab.

news-2Warum das so ist, beantwortet die Gehirnforschung: Das wir so leicht abzulenken sind, hat uns einst vor Raubtieren gerettet. Im Digitalzeitalter ist diese Wachsamkeit ein Fluch. Heute sind die „Ping“-Geräusche der Smartphones das neue Rascheln im Unterholz. Der digitale Säbelzahntiger quasi. Jedes Ping bekommt von uns sofort Aufmerksamkeit, egal ob es unser eigenes oder ein fremdes Smartphone ist. Auch wenn wir wissen, dass uns die neue E-Mail oder Textnachricht mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf akute Lebensgefahr hinweist, können wir nicht anders als sie zu registrieren und darauf zu reagieren. Jedes Ping verursacht in unserem Gehirn Biochemie: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Das hält uns meist davon ab, die wirklich wichtigen aktuellen Aufgaben zu Ende zu führen.

Jeder ist genervt von der Steuererklärung und nimmt jedes Ping als willkommene Ablenkung. Und unser Gehirn belohnt uns auch noch dafür und schüttet Dopamin, ein Glückshormon, aus.
Wer die Steuererklärung geschafft hat, darf sich auf eine ordentliche Ladung Dopamin freuen. Aber wer denkt schon daran, dass unser Gehirn jede Antwort auf eine Textnachricht als erledigte Aufgabe anerkennt und mit einem Schuss Glück belohnt? Schlimmer noch: Dopamin gibt es nicht umsonst und es kostet den Körper viel Kraft. Es verbrennt Glucose, die unser Körper braucht, um leistungsfähig zu bleiben. Deshalb fühlen wir uns erschöpft, wenn wir den ganzen Tag E-Mails beantwortet und Textnachrichten geschrieben haben. Jede einzelne E-Mail und Textnachricht bedeutet für das Gehirn eine bewältigte Aufgabe. Das produziert die Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Deshalb fühlen wir uns oft überfordert und überlastet.
Unser Gehirn ist nicht multitaskingfähig! Manche Menschen glauben, sie können zwei Dinge gleichzeitig tun und behalten Recht: Sie können rückwärts und vor einen Poller fahren. Gleichzeitig! Unser Gehirn kann sich immer nur auf eine Sache konzentrieren, das war schon in der Steinzeit so und in der Savanne, aus der wir kommen, daher nennt man diese Fähigkeit bis heute Savannenaufmerksamkeit. Unser Gehirn erledigt also eins nach dem anderen. Lebensbedrohliches wird sofort registriert und erledigt. So sollten wir auch unsere Aufgaben erledigen. Dabei können uns die neuen digitalen Medien eine wertvolle Hilfe sein.

Man muss aber, um gesund zu bleiben, nicht handy­abstinent leben, nein, auf gar keinen Fall. Es reicht schon aus, sich am Smartphone bewusst eine aufrechte Haltung zuzulegen. Der aufrechte Gang hat uns noch nie geschadet. Popeln kann auch sehr glücklich machen. Wenigstens für einen kurzen Augenblick.


Liebe Leserinnen, liebe Leser

Wie smart sind Sie? Haben Sie Ihr Handy im Griff oder hat Ihr Handy Sie im Griff? Bildung kommt angeblich von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung. Menschen sind eigentlich ganz nett, wenn man sich erst einmal an sie gewöhnt hat. Menschen sind aber nur echt, wenn sie auch Macken haben. Und jeder von uns hat irgendeine Macke. Das macht uns doch erst individuell, unverwechselbar und so liebenswert. Wenn in einer Partnerschaft beide gleich wären, wäre einer doch schnell überflüssig. Es sind doch oft die Gegensätze, die sich anziehen. Apropos Anziehen: Wenn wir uns alle gleich anziehen würden, bräuchten wir keine Uniformen mehr! Denken Sie einmal darüber nach! Mittlerweile hat auch jeder Mensch ein „SchlauPhone“ bei sich. Die können uns oft das Leben leichter machen, wenn wir sie intelligent benutzen. Sie werden aber noch schneller zum Fluch, wenn wir uns von ihnen beherrschen lassen. Wirklich glücklicher machen sie uns
Menschen aber nur sehr selten. Glück erleben wir eher in den stillen Momenten des Lebens, wenn es ganz leise um uns herum ist. Ich stelle übrigens nicht nur beim Fliegen mein Handy in den Flugmodus, sondern auch bei Zugfahrten und manchmal sogar im Auto. So ärgere ich mich weniger über Funk­löcher und habe mehr Zeit, um in dem einen oder anderen unbeobachteten Augenblick mal wieder mit dem Glück in mir in Kontakt zu treten. Sie wissen schon, was ich meine! Und was machen Sie so am liebsten in unbeobachteten Augenblicken?
Ich wünsche Ihnen herzlichst,
dass Ihr Augenblick glückt!

Ihr Dr. Christian Lüdke


Computer statt Couch

Die wirksame Hilfe aus dem Netz

Lange ging man davon aus, dass bei der Behandlung psychischer Störungen Menschen anderen Menschen nur im direkten Kontakt helfen können. Doch zunehmend werden Therapien über das Internet angeboten und das sogar erstaunlich effektiv.
Online-Therapien ergänzen den Therapeuten – oder ersetzen ihn, sogar mit Erfolg. Therapie ohne Therapeuten? Kann das funktionieren?

Es ist mittlerweile unumstritten, dass das Medium Internet auch zu therapeutischen Zwecken genutzt werden kann.
Bei den im Internet angebotenen Beratungs- und Therapieansätzen handelt es sich in vielen Fällen um online­basierte Selbsthilfe (self-help), ohne irgendeinen Input von Klinikern oder Fachtherapeuten. Bei den Programmen finden sich teilstandardisierte Programme mit einer angeleiteten Selbsthilfe (guided self-help) oder Programme mit minimal contact treatments, zumindest mit einem Therapeuten im Hintergrund.
Inzwischen gibt es immer mehr Studien, die die Wirksamkeit in der Prävention und Behandlung von Onlinetherapien nachweisen.

Die Geschichte der Online-Therapie ist allerdings noch sehr jung, vergleicht man sie mit der Geschichte der Psycho­therapie und Hypnotherapie überhaupt. Seit Ende der 1990er Jahre wurden erste Studien durchgeführt, wie zum Beispiel zu Interapy. Inzwischen liegen eine ganze Reihe belastbarer und aussagekräftiger Daten zur Onlinetherapie vor. Im europäischen Ausland ist die Online-Therapie bereits im regulären Versorgungssystem integriert (z. B. „Interapy“ in den Niederlanden und „Fearfighter“ & „Beating the blues“ in Großbritannien und Schweden).

Bei strukturierten Programmen sind E-Mail und PC vor allem das Arbeitsmedium für die Patienten. Sie bearbeiten am PC therapeutische Trainingsaufgaben und können per E-Mail mit ihren Therapeuten elektronisch kommunizieren. Werden dabei die Ergebnisse der Trainingsaufgaben im Dialog aufgearbeitet, spricht man von einer Internettherapie. Die strukturierten Programme basieren fast alle auf bewährten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapieansätzen, die durch ihren modularartigen, standardisierten Aufbau leicht internetfähig zu machen sind. Neben Informationen allgemeiner Art zu verschiedenen Störungsbildern bieten sie Übungen und vermitteln Techniken, mithilfe derer kognitive und emotionale Lernprozesse ausgelöst werden sollen. Hier wird in der Therapie nicht wirkliches Neuland betreten, sondern lediglich ein zwischengeschaltetes Medium benutzt und zwar sehr effektiv.

Onlinetherapien zeigen ihre Wirksamkeit insbesondere bei psychischen Störungen wie Depressionen und Angststörungen. Wirksamkeitsnachweise für alle großen Störungsbereiche wurden in Form von Meta-Analysen erbracht. Dabei zeigen sich mittlere Effektstärken über alle Störungsbereiche hinweg und annähernd vergleichbare Effekte mit “face-to-face”-Therapien.

Dabei gibt es auch keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Beziehungsqualität zum Therapeuten bei der Onlinetherapie oder in der ambulanten Therapie. Befragungen von Onlinetherapie-Nutzern zeigen, dass sie durchweg eine positive Bewertung der therapeutischen Beziehung abgeben. Die therapeutische Beziehung im Internet wurde durchschnittlich bereits nach der 4. Sitzung als hoch eingeschätzt und verbesserte sich noch im Verlauf bei weiteren Interventionen.

Auch die Behandlungszufriedenheit der Onlinetherapie-Nutzer ist mehr als signifikant. Gefragt, wie die Online-Patienten es erlebt haben, dass der Kontakt zum Therapeuten nur über das Internet stattfand, beantworteten knapp 90 % der Befragten mit „angenehm“. Die Frage danach, welchen Charakter der Kontakt zwischen dem Patienten und ihrem Therapeuten hatte, beantworteten 84 % mit „persönlich“.

Bedenkt man, dass Schätzungen zufolge in Deutschland 50 % aller psychischen Störungen unbehandelt bleiben, kann mit einer Onlinetherapie eine wichtige Versorgungslücke geschlossen oder zumindest effektiv überbrückt werden.

Mehr Informationen finden Sie hier:tera-pi
www.terapi.de
online-schneller-besser